Mitte Oktober besuchten Josef Jäger und Hermann Schaubensteiner aus Linz Projekte der Osteuropamission in Ungarn und Serbien und das „Haus der Hoffnung“ in Rumänien. Hermann berichtet über die Reise:

Sonntag, dem 14. Oktober 2018, war es soweit. Ich holte Josef Jäger von Wien ab und wir fuhren nach Ungarn in die Zentrale der Osteuropamission zum Übernachten.

Am Montag fuhren wir mit Norbert Makszim, Mitarbeiter der Osteuropamission Ungarn, in den Norden Ungarns, wo wir ein Dorf besuchten, dessen Einwohner zum Großteil der Minderheit der Roma angehören. Die Minderheit hat sich politisch selber organisiert und Sozialbetreuer aus ihren Reihen kümmern sich um ihre Anliegen. Die Osteuropamission hilft mit Sachspenden und geistlich. Es gibt dort bereits Christen, die froh sind über die seelsorgerische Unterstützung.

 

Am Dienstag ging es weiter zu Attila Kereszi. Dieser zeigte uns ein Jugend- und Kindercamp, das er betreut. Das Camp ist sehr gut hergerichtet und man kann sich gut vorstellen, was es für die Kinder bedeutet, die sonst nicht mit den Eltern auf Urlaub fahren können, in einer guten christlichen Atmosphäre all die Spielmöglichkeiten zu genießen. Wir waren dann bei der Köchin des Camps eingeladen. Dort sahen wir, wie die Leute überleben, mit wenig Pension. Sie halten selber Tiere und bauen viel Gemüse an. Mir kommt dann auch die Idee, dass man das Campgelände für die eine oder andere Freizeit benutzen könnte.

Josef und ich fuhren dann nach Subotica in Serbien weiter, wo wir mit Tibor Varga, dem Leiter der Osteuropamission in Serbien, zusammentrafen. In der Stadt wird viel Ungarisch gesprochen, da dieser Teil Serbiens zum Teil von ethnischen Ungarn bevölkert ist. Wir dürfen in der Gemeinde in Csantavér übernachten, die von Tibor Nagy geleitet wird, der uns dann weiter begleitete.

Mit ihm fuhren wir am Mittwoch nach Becej, wo wir auf Laszlo Santa trafen, der dort ein Landwirtschaftprojekt führt und bis vor kurzem eine Suppenküche. Diese musste wegen der behördlichen Vorschriften geschlossen werden, sodass nur erweiterte Familienessen mit Gästen stattfinden können. Die Behörde erlaubt ihm aber, Lebensmittelpakete zu verteilen. Der Umbau der Küche käme derzeit zu teuer.

Beim Landwirtschaftsprojekt wird Josef und mir bewusst, dass das Wort aus Matthäus 9, 37-38 überall gilt: Die Ernte ist groß, die Arbeiter sind wenige.

Laszlo und seine Helfer haben ein großes Herz für die Kinderarbeit. Sie haben im Innenhof der Gemeinde einen schönen Spielplatz eingerichtet, der gut genützt wird.

Wir besichtigten vor Ort sogenannte Roma-Slums. Das heißt eigentlich, verlassene und nach westlichem Maßstab abbruchreife Häuser am Rand der Stadt. Es handelt sich in einigen Fällen um vertriebene Zigeuner aus dem Kosovo. Eines ihrer größten Probleme ist nicht nur die schlechte Versorgungslage, sondern dass sie keine Papiere haben, keinen Pass, keine Geburtsurkunde, keinen Staatsbürgerschaftsnachweis. In einer Region, wo die Einheimischen oft nur saisonal angestellt sind und eine hohe Arbeitslosigkeitsrate herrscht, bleibt für diese Bevölkerungsgruppe kaum etwas übrig.

 

Am Donnerstag waren wir mit Pastor Tibor Varga in Csantavér in der Vojvodina unterwegs. Er leitet dort eine christliche Gemeinde, die hauptsächlich aus Zigeunern besteht. Tibor darf dort eine Suppenküche führen. Eine geistliche Arbeit, ohne auch Alltagsunterstützung zu bieten, ist nicht möglich. Auch Tibor würde dringend Mitarbeiter benötigen, die bereit sind, mit ihm unter den Ausgestoßenen zu dienen.

Am Donnerstagabend reisten wir dann nach Rumänien ab zum „Haus der Hoffnung“ in Sambateni. Am nächsten Tag nach dem Frühstück mit den sechs Kindern, Edi und fünf Geschwister, waren wir mit Marion Moldovan unterwegs. Im Ort hat sich einiges Positive getan. Nebenstraßen sind asphaltiert. Die Zigeunersiedlung, die wir besuchten, ist im Erscheinungsbild um einiges besser als die in Serbien. Es zeigt sich auch hier, dass doch einiges erreicht werden kann, wenn Einheimische Verantwortung für ihr Volk übernehmen. Etliche von ihnen kommen auch in die christliche Gemeinde. Aber auch in Rumänien steht die Volksgruppe der Roma oft am Rande. In diesem Lichte erscheint es wichtig, dass das Projekt „Haus der Hoffnung“ weiterhin gespendete Lebensmittel günstig an seine Umgebung abgibt.


Marion dient neben ihrer vielen Arbeit im „Haus der Hoffnung“ noch sehr viel im seelsorgerischen Bereich. Wir besuchten eine ältere Frau, die ihre zwei Enkeltöchter großgezogen hat, ohne finanzielle Unterstützung der Eltern. Die Not ist dort so groß, dass Josef und mir direkt die Luft wegblieb. Es ist schwer auszuhalten, nur beten  und praktisch nicht handeln zu können. Am Nachmittag informierte uns Dorin dann, dass am Abend eine Familie von der Polizei gebracht werden wird, die Schutz braucht. Der Ehemann hatte versucht, die Familie zu töten, und war noch auf der Flucht.  Auch hier sind dringend Arbeiter für die Ernte notwendig. Und zwar solche, denen bewusst ist, dass für die Kinder voller Einsatz nötig ist. Dorin zeigte uns das neue Sozialzentrum in Arad. Dort werden Mütter zu Fragen der Adoption und Pflege beraten. In weiterer Folge soll auch eine Coffeeshop-Arbeit entstehen.

Josef und ich fuhren am Abend zurück nach Ungarn zum Übernachten und am Samstag traten wir erschöpft, nachdenklich, begeistert von dem großen Einsatz der Missionare in Osteuropa die Heimreise an. Josef und ich sind uns einig, dass dieses Erntefeld, das wir gesehen haben, einheimische Missionare braucht bzw. Christen, die zu Serben, Ungarn oder Rumänen werden. Nur vor Ort kann man entscheiden, welche Hilfe sinnvoll ist. Die Geschwister in Osteuropa brauchen von uns Ermutigung und Stärkung. Diese wollen wir weiterhin gerne geben.

Helfen Sie bitte mit, besonders jetzt zu Beginn des Winters, mit finanziellen Gaben für „Lebensmittelpakete/Suppenküche“, „Brennholz“ und das „Haus der Hoffnung“, vielen Dank!