Zusammenfassender Tätigkeitsbericht von Josef Jäger

Jesus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20)

2020 war auch für die Osteuropamission kein Jahr wie jedes andere. Bereits im Sommer waren zwei Angestellte im Haus der Hoffnung mit dem Corona-Virus infiziert, danach Mitarbeiter in Ungarn, die gesamte Familie Militaru in Braşov und so gut wie alle Mitglieder des Teams in der Ukraine.

Karlos von der Zigeunerband Amaro Del musste sogar wegen schwerer Atemnot auf der Intensivstation behandelt werden. Durch Gottes Gnade wurden alle wieder gesund. Am Ende dieses Jahres konnten auch unsere Weihnachtsfeiern für Kinder nicht in der gewohnten Weise stattfinden. Doch Sandor, der Clown von den Kinderfreizeiten, fand einen kreativen Weg, die Familien als Hirte verkleidet mit seiner Frau als Engel zu Hause zu besuchen. Dabei erklang, oft auch für Nachbarn hörbar, die Geschichte von der Geburt Jesu aus der Audiobibel über Bluetooth Lautsprecher.

Doch jetzt der Reihe nach, ein Rundgang durch unsere Projekte und Aktivitäten. 

Haus der Hoffnung 
Nach langwierigen Behördenwegen schlagen Marion und Dorin Moldovan und ihr Team ein neues Kapitel auf. Das Haus der Hoffnung ist kein Kinderheim mehr, sondern ein Zentrum, das Pflegemütter anstellt, schult und betreut. Marion, Dorin und Sarah werden Pflegeeltern. Es können wieder Kleinkinder aufgenommen werden, was der ursprünglichen Berufung von Familie Moldovan entspricht. Als erste private Stiftung darf Fundatia Eben Ezer Moldovan, der rumänische Rechtsträger des Hauses der Hoffnung, dem neben Obmann Dorin und Marion auch ich als Leitungsmitglied angehöre, Adoptionen vermitteln. Die fünf leiblichen Geschwister, die bis Schulbeginn im Haus waren, konnten nicht mehr in die zerrüttete Familie der Mutter reintegriert werden. Carisia, Calin und Radu kamen in ein christlich geführtes Kinderheim in Arad, Stefan und Larisa in eine gläubige Pflegefamilie, und alle fühlen sich in ihrer neuen Umgebung wohl. Bei Präsentationen in christlichen Gemeinden der Umgebung wurden Pflegemütter gesucht, die dann von der Sozialassistentin Oana in Zusammenarbeit mit Personal des Jugendamts für ihre neue Aufgabe ausgebildet werden. Auch Marion, Dorin und Sarah Moldovan müssen die neue Ausbildung für Pflegeeltern absolvieren. Überdies wurden von Oana potentielle Adoptiveltern auf ihre neue Aufgabe vorbereitet, gegen Jahresende online, da persönliche Begegnungen nicht möglich waren.

Edi wird seit fast einem Jahr erfolgreich ambulant im Wiener AKH behandelt. Sein Tumor geht stetig zurück. Dass der rumänische Staat weiterhin die hohen Kosten der Behandlung trägt, war eine große Gebetserhörung.

Dank der Ausnahmen für soziale Dienste konnten auch die Hilfsgütertransporte weiterlaufen, sowohl von Sammelstellen der Osteuropamission als auch privaten Freunden, nicht zu vergessen die großen Lieferungen mit Lebensmitteln von unseren Freunden von ORA, die in diesem Jahr bei bedürftigen Familien besonders willkommen waren.

Trainingsschule in Braşov
Mit dem Beginn der Coronakrise wurden in Rumänien ähnliche Maßnahmen verhängt wie in Österreich. Auch die Trainingsschule musste online geführt werden, eine besondere Herausforderung für kinderreiche Familien in kleinen Wohnungen. Instabile Internetverbindungen waren ein zusätzliches Problem. Dennoch haben alle Kinder gute Ergebnisse bei den Aufnahmeprüfungen für die höheren Schulen erzielt, zwischen 8,33 und 9 bei einer Höchstnote von 10. Sie dankten Gott und gaben ihm die Ehre. Daneben betreute Paul Militaru weiterhin zahlreiche Familien im Kinderpatenschaftsprogramm. Bei all dem plagen ihn nach wie vor gesundheitliche Probleme. In den letzten Jahren hat sich sein Asthma aufgrund einer Stauballergie wesentlich verschlechtert. Im Herbst war er überdies von Covid-19 betroffen und einige Zeit im Krankenhaus. In Anbetracht seiner Vorerkrankungen fürchteten wir um sein Leben. Doch der Herr hat ihn bewahrt. Er bittet um Gebet für die Wiederherstellung seiner Gesundheit, ein großes Anliegen für 2021.

Ferienlager für Kinder und Jugendliche
In kleinerem Rahmen konnten unsere Partner in Ungarn auch 2020 Ferienlager für Kinder und Jugendliche durchführen. Nach den langen Wochen des Lockdowns war die Freude darüber bei den jungen Menschen groß. Nicht wenige entschieden sich bei den abendlichen Zusammenkünften, Jesus in ihr Leben einzuladen.

Serbien
Die Not im Land wurde insbesondere für die vielen Tagelöhner durch die Corona bedingten Restriktionen noch schlimmer. Tibor Varga und sein Sohn David besuchten viele Notleidende in ihrer Heimatstadt Subotica und in den umliegenden Dörfern. Dringend benötigte Nahrungsmittel und Medikamente wurden überbracht. Auf der geschlossenen Balkanroute gestrandete Flüchtlinge, deren Versuche, nach Westeuropa zu gelangen, meist schon an der ungarischen Grenze enden, erhielten bei den Besuchen in ihren improvisierten Unterkünften Lebensmittel, Kleidung, Decken und Heizmaterial und wurden auch mit der Botschaft vom Brot des Lebens ermutigt.

Kosovo
Im Kosovo wurde die Armut durch vorübergehende Betriebsschließungen und  Ausgangsbeschränkungen weiter verstärkt, insbesondere für die vielen Gelegenheitsarbeiter. Durch die erzwungene Isolation hat die Gewalt in Familien zugenommen. Lebensmittelhilfe und geistliche Ermutigung waren nötiger denn je. Wie in den anderen Ländern ist die Verteilung von Brennholz existentiell wichtig. Für Kinder von zwei besonders bedürftigen Familien konnten rasch Paten gefunden werden.

Ukraine
Die Ukraine wurde von der Coronakrise besonders hart getroffen. Viele Fabriken wurden vorübergehend oder auch endgültig geschlossen. Zahlreiche Arbeitslose wurden obdachlos und stehen hungernd und frierend auf der Straße. Staatliche Unterstützungen wurden zugesagt und dann für viele gestrichen. Die Auflagen haben nach Aussage unseres Teams definitiv mehr geschadet als genützt. Während des Lockdowns im Frühjahr wurden alle medizinischen Behandlungen, auch Operationen wegen Krebs, aufgeschoben. Verzweiflungstaten nahmen überhand. Väter und sogar Mütter, die keinen anderen Ausweg sahen, haben ihre Familien ausgelöscht. In dieser tristen Situation waren Besuche verbunden mit Lieferung von Lebensmittelpaketen besonders wichtig. Leonard Hanykovics und sein Team sorgten im Rahmen des erweiterten Koinonia-Projekts dafür, dass Menschen nicht verhungern. Hunger war und ist keine 500 km östlich von Wien ein existenzielles Problem.

Albanien
Zwei Familien in Albanien, die durch das Erdbeben Ende November 2019 ihr Heim verloren hatten, konnte die Osteuropamission nachhaltig helfen.

Hilfsgütertransporte
Aufgrund des Lockdowns im Frühjahr konnte der erste Transport erst im Juni starten. Insgesamt wurden acht Transporte durchgeführt. Drei davon gingen zu unseren Partnern von der Osteuropamission Ungarn, die übrigen zu Marion und Dorin Moldovan nach Rumänien. Abgesehen von diesen organisierte Dorin Moldovan mehrere Transporte von privaten Sammelstellen. Wir danken allen Spendern und Sammlern von Hilfsgütern.

Gebet für die verfolgte Kirche 
Im November luden wir wie jedes Jahr zur Beteiligung am Sonntag der verfolgten Kirche ein, wobei wir natürlich nie wissen, wie viele Gruppen oder Gemeinden dieser Einladung zum Gebet folgen. Die Schwerpunktländer 2020 waren Algerien, Kuba und Pakistan.

Die geplanten Veranstaltungen und Informationsreisen für potentielle Neueinsteiger mussten wir leider absagen und hoffen, diese 2021 nachzuholen. Über Zuwachs in unserem kleinen Team, insbesondere auch junge Technikfreaks, die mit den neuen Medien vertraut sind und diese fürs Reich Gottes einsetzen wollen, würden wir uns sehr freuen. Wir preisen unseren Herrn Jesus dafür, dass wir trotz offensichtlicher wirtschaftlicher Probleme vieler Menschen keinen Spendenrückgang zu verzeichnen hatten. Kein Projekt musste aus finanziellen Gründen ausfallen oder beschnitten werden. Danke an alle, die durch die Osteuropamission die Gemeinde Jesu und Notleidende in Osteuropa unterstützt haben!